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Beschreibung - Bilsenkraut

Bilsenkraut

Giftpflanze! Das Schwarze Bilsenkraut ist ein ein- bis zweijähriges, bis zu 80 cm hoch wachsendes Kraut mit behaarten Stängel. Die schmutziggelben, violett geäderten Blüten sitzen in den Blattachseln und besitzen einen röhrig-glockigen Kelch mit tiefpurpurfarbenen Schlund. Die Frucht ist eine bauchige Deckkapsel mit zahlreichen Samen. Die frische Pflanze riecht unangenehm. Das Schwarze Bilsenkraut aber auch andere Hyoscyamusarten sind aufgrund ihres Gehaltes an Tropanalkaloiden sehr giftig. Da es immer wieder vor allem bei Kindern zu Vergiftungen kommt, wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit empfohlen, giftige Pflanzen nicht in Anlagen wachsen zu lassen, die Kindern leicht zugänglich sind.

Steckbrief Bilsenkraut

  • Pflanze : Hyoscyamus niger L.
  • Familie : Nachtschattengewächse (Solanaceae)
  • Herkunft: Beheimatet ist das Bilsenkraut in Europa, Nordafrika sowie in West- und Nordasien. Die Pflanze wächst meist auf Schutthalden und in Gärten.
  • Synonyme: Dullkraut, Gemeines Bilsenkraut, Rasenwurz, Saukraut, Schlafkraut, Schwarzes Bilsenkraut, Teufelswurz, Tollkraut, Zigeunerkraut
  • Stand: 15.02.2003

 

Anwendung:

 

Alle Pflanzenteile enthalten Tropanalkaloide Hyoscyamin, Atropin und Scopolamin, die die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Acetylcholin aufheben (Parasympatholytika) und zusätzlich auf das Zentralnervensystem wirken. Dabei unterscheiden sich die Wirkungen der einzelnen Alkaloide und ihre therapeutische Breite, so dass heute überwiegend die Einzelsubstanzen als standardisierte Fertigarzneimittel (z.B. Scopolamin gegen Übelkeit und Erbrechen, Atropin zur Pupillenerweiterung bei augenärztlichen Untersuchungen, als Antidot gegen Vergiftungen mit Insektiziden, zur Narkosevorbeitung) eingesetzt werden. Da im Vergleich zur Tollkirsche der Gehalt an Scopolamin höher ist, stehen zentral sedierende Wirkungen im Vordergrund.

Die Pflanze und alle ihre Zubereitungen sind abgesehen von Präparaten zur äußerlichen Anwendung bzw. homöopathische Mitteln verschreibungspflichtig und nicht für die Selbstmedikation geeignet! (s. Hinweis). 

 

Dosierung:

 

Nach Vorschrift des Arztes!

 

Zubereitungen:

 

Zubereitungen aus dem Bilsenkraut sind selten Bestandteil äußerlich anzuwendender Salben zur Narbenbehandlung oder in homöopathischen Arzneimitteln erhalten.

 

Hinweise:

Die therapeutische Breite der Tropanalkaloide ist gering, alle Pflanzenteile sind sehr giftig! Da die Pflanze aufgrund ihres Erscheinungsbildes nicht gerade zum Verzehr anregt, sind Vergiftungen selten.

Die Vergiftungserscheinungen ähneln den Vergiftungen mit dem Stechapfel oder auch der Tollkirsche. Aufgrund des relativ hohen Gehalts an Scopolamin stehen meist die zentral dämpfende Wirkung im Vordergrund. Weiterhin kommt es zu starker Mundtrockenheit, extremen Durst, Pupillenerweiterung und Hautrötung.