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Beschreibung - Johanniskraut

Johanniskraut

Johanniskraut ist eine ausdauernde, aufrechte, im oberen Teil ästig verzweigte Pflanze mit 20 bis 100 cm hoch wachsendem Stängel. Im Unterschied zu anderen Hypericum-Arten besitzen die Stängel des Johanniskraut zwei Längskanten und im durchscheinenden Licht vielfach perforiert erscheinende Blätter. Die goldgelben, unsymmetrischen Blüten fallen durch ihre zahlreichen, langen Staubblätter auf und bilden traubig zusammengesetzte Trugdolden. Beim Zerreiben der frischen Blüten, tritt ein dunkelroter Farbstoff aus.
Medizinisch verwendet wird das aus den frischen Blüten gewonnene Johannisöl und die kurz vor der Blüte geernteten und getrockneten Zweigspitzen (Kraut).

Steckbrief Johanniskraut

  • Pflanze : Hypericum perforatum L.
  • Familie : Johanniskrautgewächse (Hypericaceae = Clusiaceae = Guttiferae)
  • Herkunft: Wildvorkommen in Europa und dem westlichen Asien. Die Droge wird aus ost- und südosteuropäischen Ländern importiert.
  • Synonyme: Hartheu, Herrgottsblut, Hexenkraut, Jageteufel, Johannisblut, Konradskraut, Manneskraft, Tüpfelhartheu, Walpurgiskraut
  • Stand: 03.06.2004

 

Anwendung:

 

Johanniskraut:

  • leichte bis mittelschwere Depressionen
  • psychovegetative Störungen
  • Angststörungen
  • nervös bedingte Unruhezustände

 

Johannisöl:

  • Verbrennungen, Verletzungen, Dermatitis
  • Innerlich: Verdauungsbeschwerden

 

Johanniskraut enthält Flavon- und Flavonolverbindungen, z.B. Hyperosid, Xanthone, Naphthodianthrone, wie Hypericin und Pseudohypericin, Phloroglucine mit Hyperforin, ätherisches Öl und Catechingerbstoffe. Der Gehalt an einzelnen Inhaltsstoffen ist stark abhängig vom Entwicklungsstand der Pflanze und der Lichtexposition. So ist z.B. der Gehalt an Hypericin in Blüten und Knospen am höchsten, der Gehalt an Hyperforin dagegen in den reifen Früchten.

Das durch Ausziehen der Blüten mit fetten Ölen (Oliven-, Sonnenblumen- oder Weizenkeimöl) gewonnene Johannisöl (Rotöl) wird traditionell äußerlich zur Behandlung von Wunden, leichten Verbrennungen. Hautentzündungen und stumpfen Verletzungen verwendet. Innerlich genommen soll es bei Verdauungsbeschwerden helfen. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt. Für die leuchtend rubinrote Farbe werden Ölhypericine, die sich bei der Herstellung in Gegenwart von Licht und Wasser bilden, verantwortlich gemacht.

Zubereitungen aus dem Johanniskraut werden vielfach bei depressiver Verstimmung und damit in Zusammenhang auftretender nervöser Unruhe und Schlafstörungen angewandt. Die Wirksamkeit von hochdosierten Extrakten wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen und zeigten im Vergleich zu herkömmlichen Antidepressiva eine weitaus bessere Verträglichkeit. Bei schweren Depressionen ist Johanniskraut allerdings unwirksam (s. Hinweise). Das genaue Wirkprinzip ist noch unbekannt, vermutlich sind mehrere Bestandteile des Extraktes an der stimmungsaufhellenden Wirkung beteiligt. Daher sind nur Präparate, die den Gesamtextrakt enthalten zu empfehlen. Ein Einfluss auf die Nervenbotenstoffe Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA und Glutamat sowie eine modulierende Wirkung auf bestimmte Rezeptoren im Gehirn werden vermutet. Die früher für Hypericin postulierte Hemmung der Monoaminoxidase konnte zumindest im üblichen Dosisbereich nicht bestätigt werden.

Für Extrakte konnte im Laborversuch auch eine entzündungshemmende (Flavonoide), antivirale (Hypericine) und antibiotische Wirkung auf grampositive Bakterien (Hyperforin) gezeigt werden ohne daraus jedoch direkte therapeutische Empfehlungen ableiten zu können.

Anwendungsdauer:
Johanniskraut beeinflusst vor allem die Begleitsymptome einer Depression wie Schlafstörungen, Nervosität usw. positiv und wirkt stimmungsaufhellend, ohne jedoch selbst müde zu machen. Die Wirkung tritt allerdings erst allmählich ein. Bemerkt man nach einer Anwendung von zwei bis vier Wochen keine Besserung, sollte unbedingt ein Arzt zur weiteren Abklärung der Beschwerden aufgesucht werden. Johanniskrautextrakte können die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen! (s. Hinweise)

 

Dosierung:

 

Tee:
2 Teelöffel Johanniskraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach 10 Minuten abseihen. Regelmäßig 1 bis 2 Tassen morgens und abends frisch bereiteten Tee trinken.
Anmerkung: die Teezubereitung enthält vermutlich die Wirkstoffe nicht in ausreichender Menge. Fertigpräparaten mit standardisierten Extrakten sind vorzuziehen.

Fertigarzneimittel:
Die Schwellendosis für eine antidepressive Wirkung wird auf 300 mg Extrakt täglich geschätzt, empfohlen werden 500 bis 1000 mg Extrakt täglich.

Äußerlich:
Salben 1 bis 2 mal täglich.

 

Zubereitungen:

 

Eine Vielzahl von Kapseln, Dragees, Tropfen oder Ampullen, die Johanniskrautextrakte alleine oder in Kombination mit anderen Substanzen enthalten, sind im Handel erhältlich. Bei der Auswahl der entsprechenden Präparate sollte darauf geachtet werden, dass sie einen Gesamtextrakt aus der Pflanze enthalten und ausreichend hoch dosiert sind.

 

Hinweise:

 

Nicht anwenden bei bekannter Lichtüberempfindlichkeit!
Da Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen kann, sollten insbesondere hellhäutige Personen während der Einnahme auf Sonnenbäder (auch in Solarien!) verzichten.

Nicht anwenden bei Verdacht auf schwere Depression!
Johannispräparate sind hier nicht wirksam, es ist unbedingt baldmöglichst eine Behandlung durch einen Arzt erforderlich.

Nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt während Schwangerschaft oder Stillzeit anwenden!
Es gibt keine Untersuchungen, die die Unbedenklichkeit belegen.

Nicht bei Kindern anwenden!
Die Behandlung depressiver Erkrankungen im Kindesalter gehört unbedingt in die Hände eines Spezialisten.

Nicht anwenden, wenn gleichzeitig Medikamente eingenommen werden, deren Wirkung durch Johanniskraut beeinflusst werden kann!
Dazu gehören Ciclosporin,Tacrolimus, Arzneimittel gegen HIV (AIDS) wie z.B. Indinavir, Zytostatika wie z.B. Irinotecan und andere Antidepressiva.

Anwendungsdauer:
Wie bei anderen Antidepressiva tritt die stimmungsaufhellende Wirkung erst allmählich ein und es ist eine Behandlung über einen längeren Zeitraum erforderlich. Bemerkt man jedoch nach 2 bis 4 Wochen keine Verbesserung der Beschwerden, so ist unbedingt ein Arzt zu Rate zu ziehen.

Wechselwirkungen:
Neuere Untersuchungen ergaben den Hinweis, dass hochdosierte Johanniskrautextrakte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auslösen können, die z.T. erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.

Daher sollten Personen, die bereits andere Medikamente einnehmen, vor der Anwendung entsprechender Johanniskrautpräparate ihren Arzt oder Apotheker zu Rate ziehen. Ebenso sollten Patienten, die Johanniskrautpräparate einnehmen, ihren Arzt über diese Medikation informieren, wenn sie andere Arzneimittel verordnet bekommen.

Johanniskraut kann die Aktivität körpereigener, arzneimittelabbauender Enzyme (Cytochrom P450, z.B. CYP3A4) erhöhen und die Wirksamkeit von Medikamenten, die über diese Enzyme verstoffwechselt werden, abschwächen. So kann z.B. nicht ausgeschlossen werden, dass Johanniskrautpräparate die Wirkung oraler Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille) beeinträchtigen und es zu Zwischenblutungen und sogar zu einer ungewollten Schwangerschaft kommen könnte. Weiterhin kommt es durch Johanniskraut zu einer Induktion des Transporterproteins P-Glycoprotein (MDR-1), das bestimmte Medikamente, wie z.B. Digoxin aus der Zelle ausschleusst und somit zu einer erniedrigten Bioverfügbarkeit beiträgt.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten die ebenfalls serotonerge Wirkungen entfalten wie z.B. Triptane oder SSRIs kann ein Serotoninsyndrom auftreten.

Nebenwirkungen:
Johanniskrautpräparate werden im Allgemeinen sehr gut vertragen. Selten können Magen-Darmbeschwerden, allergische Hautreaktionen, Müdigkeit oder Unruhe auftreten.