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Beschreibung - Kamille, Echte

Kamille, Echte

Die auf kargen Standorten wachsende Echte Kamille ist eine einjährige Pflanze mit aufrechtem, meist ästig verzweigtem Stängel. Die zwei- bis dreifach fiederteiligen, schmalen Blätter stehen wechselständig. Das Blütenköpfchen besteht aus auf dem hohlen, kegelförmigen Blütenboden sitzenden gelben Röhrenblüten und nach unten zurückgeschlagenen weißen Zungenblüten. Beim Zerreiben riechen die Blüten angenehm aromatisch. Verfälschungen sind heutzutage selten, da die Kamillenblüten ausschließlich aus Kulturen stammen. Aus Eurasien stammend, wurde sie als heilige Pflanze von nordischen Völkern dem Sonnengott Baldur zugeordnet. Die gründlich erforschten Kamillenwirkstoffe rechtfertigen ihre hohe Wertschätzung seit der Antike.

Medizinisch verwendet werden die Blüten und das daraus gewonnene ätherische Öl. Die Qualität wird neben der Herkunft vor allem durch die Trocknungs- und Lagerungsbedingungen bestimmt. 

Steckbrief Kamille, Echte

  • Pflanze : Matricaria recutita L. syn. Chamomilla recutita (L.) Rauschert
  • Familie : Korblütengewächse (Asteraceae = Compositae)
  • Herkunft: Die römische Kamille ist in Deutschland, Italien, Spanien, Belgien, England und Frankreich beheimatet sowie in Nordafrika. Hauptimportland ist Frankreich.
  • Synonyme: Deutsche Kamille, Feldkamille, Hermel, Mutterkraut
  • Stand: 12.02.2005

 

Anwendung:

 

  • Entzündungen der Schleimhaut (Mund, Rachen, Genital-, Analbereich)
  • Dermatitis, Ekzem
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
  • Entzündliche Erkrankungen der Atemwege
  • Nervosität, Unruhezustände

 

Kamillenblüten enthalten ein ätherisches Öl (0.4% - 1.5%), das durch das bei der Destillation aus Matricin entstendene Chamazulen charakteristisch blau gefärbt ist. Die weiteren Inhaltsstoffe alpha-Bisabolol (Levomenol), Bisabololoxide, nichtflüchtige Flavonoide wie z.B. Apigenin-glykoside und Cumarine ergänzen sich im Gesamtextrakt in ihrer krampflösenden, entzündungshemmenden, Wundheilungs fördernden, antibakteriellen und blähungstreibenden Wirkung. Bekannt ist auch ein wachstumshemmender Effekt auf Bakterien und Pilze. Präparate, die mit Ethanolwassergemischen gewonnen werden enthalten neben dem ätherischen Öl auch die nichtflüchtigen Bestandteile und sind häufig auf einen bestimmten Levomenol und Apigeningehalt eingestellt.

Innerlich eingenommen werden entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen günstig beeinflusst. Äußerlich helfen Kamillenblütenauszüge bei Entzündungen der Mundschleimhaut und des Rachens aber auch bei entzündlichen Veränderungen der Haut. Als Inhalation angewandt werden Beschwerden in den Atemwegen bei Erkältungen gelindert.

 

Dosierung:

 

Innerliche Anwendung / Tee:

3g Kamillenblüten (ca. 1 Eßlöffel) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. 3 - 4 Tassen täglich frisch bereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken.

Äußerliche Anwendung:

Umschläge, Spül- oder Gurgellösungen: 3 bis 10 g Kamillenblüten auf 100 ml Wasser Bäder: 5g Blüten oder 0.8g Extrakt pro 1 Liter Wasser Inhalation: 6g Blüten oder 0.8g Extrakt pro 1 Liter Wasser

Bei Verwendung der Kamillenblüten zu medizinischen Zwecken sollte darauf geachtet werden, dass die Drogenqualität den Arzneibüchern entspricht. Kamillentee der Lebensmittelqualität hat einen geringeren Gehalt an wertbestimmenden Inhaltsstoffen.

Bei der Heißwasserextraktion verbleiben bis zu 70% des ätherischen Öls bzw. der nichtflüchtigen Bestandteile im Rückstand. Es empfiehlt sich daher die Anwendung von Fertigpräparaten, die auf einen Mindestgehalt standardisiert sind.

 

Zubereitungen:

 

Kamillenblüten sind als Tee oder als industriell hergestellte wässrige oder alkoholische Auszüge für die innerliche oder äußerliche Anwendung erhältlich. Sie sind auch als Bestandteil von Salben und Cremes, von Bädern und von vielen Arzneimitteln und Kosmetikprodukten im Handel.

Bei der Verwendung als Tee sollte darauf geachtet werden, dass die Droge den Bestimmungen der Arzneibücher entspricht, da nur dann ein hoher Gehalt der wertvollen Inhaltsstoffe gewährleistet ist.

 

Hinweise:

 

Nicht anwenden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütengewächsen, wie z.B. Arnika, Ringelblume, Schafgarbe!

Obwohl die Echte Kamille selbst nur selten Überempfindlichkeitsreaktionen auslöst, kann es jedoch zu Kreuzreaktionen kommen. Die beobachteten allergischen Reaktionen werden heute hauptsächlich auf Verunreinigungen der Echten Kamille mit der Hundskamille (Anthemis cotula L.), dass das Sesquiterpenlacton Anthecotulid enthält, zurückgeführt. Heutzutage stammt die Droge aus Kulturen, so dass Verunreinigungen selten vorkommen.

Nicht im Bereich der Augen anwenden!

Kamille kann auf die Augen reizend wirken. Bei akuten Beschwerden, die länger als eine Woche andauern oder immer wieder kehren ist die Rücksprache mit einem Arzt erforderlich!