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Beschreibung - Rosskastanie, Gewöhnliche

Rosskastanie, Gewöhnliche

Die Rosskastanie ist ein bis zu 35 m hoher, sommergrüner Baum mit großer, regelmäßiger Krone und findet sich häufig als Schattenspender in bayerischen Biergärten. Die Laubblätter sind 5- bis 7-fach gefiedert und sitzen an langen, rinnigen Stielen. Die weißen, gelb- oder rötlichen Blüten sitzen zahlreich in kegelförmigen, steil aufrechten Rispen. Die gelbgrünen, kugeligen Früchte sind mit weichen Stacheln besetzt und enthalten glänzend braune Samen mit einem großen, hellen Nabelfleck. 

Die Ess-Kastanie (Castanea sativa) gehört dagegen zur Familie der Buchengewächse und besitzt abgesehen von den Früchten, keinerlei Ähnlichkeit mit der Rosskastanie. Die Samen der Rosskastanie sind nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. 

Medizinisch verwendet werden Extrakte aus den Samen, der Rinde und den Blättern, wobei ein Nutzen nur für die Samenextrakte belegt ist.

Steckbrief Rosskastanie, Gewöhnliche

  • Pflanze : Aesculus hippocastanum L.
  • Familie : Rosskastaniengewächse (Hippocastanaceae)
  • Herkunft: Europa, Kleinasien, Nordindien, Kaukasus, Nordgriechenland. Importiert wird die Droge aus osteuropäischen Ländern.
  • Synonyme: Foppkastanie, Gemeine Roßkastanie, Judenkest, Pferdekastanie, Saukastanie, Vixirinde, Weiße Roßkastanie, Wilde Kastanie, Wildi Kestene
  • Stand: 02.04.2003

 

Anwendung:

 

Zur Anwendung kommen mit alkoholischen Auszugsmitteln hergestellte, standardisierte Trockenextrakte aus den Samen. 

Für den Hauptwirkstoff Aescin, einem Gemisch aus monodesmoidischen Triterpensaponinen, sind gefäßabdichtende, venentonisierende und antiödematöse Wirkungen beschrieben. Weiterhin sind im Extrakt Flavonoide enthalten, während die toxikologisch bedenklichen Cumarinderivate Aesculin und Fraxin nur in Auszügen aus Rinde, Blätter, Blüten oder Fruchtschalen enthalten sind. Die Wirksamkeit von Präparaten, die einen Extrakt aus den Blättern oder der Rinde der Rosskastanie enthalten, ist nicht belegt. 

Präparate aus Rosskastaniensamenextrakt zum Einnehmen oder auch aus reinem Aescin werden daher bei chronischer Veneninsuffizienz eingesetzt. Äußerliche Zubereitungen wie z.B. Gele zeigen außer einem kühlenden Effekt vermutlich wenig Wirkung. 

Die venöse Insuffizienz (Venenschwäche) äußert sich in Schmerzen, Spannungs- und Schweregefühl der Beine sowie Schwellungen, die besonders abends und an heißen Tagen ausgeprägt sind. Sichtbare Zeichen sind Krampfadern und Besenreißer. Durch die Wasserein-lagerungen kommt es zu einer Minderversorgung des Gewebes mit Sauerstoff, es kann dann langfristig zu Entzündungen und Geschwüren kommen. 

Aescin vermindert die Schwellungen ähnlich gut wie eine Kompressionstherapie, jedoch ist die medikamentöse Behandlung kein Ersatz für weitere angeordnete Maßnahmen, wie z.B. das Wickeln der Beine oder das Tragen von Stützstrümpfen. 

Auch bei verletzungsbedingten Gewebeschwellungen sind diese Präparate wirksam, nicht jedoch bei Schwellungen anderer Ursachen wie z.B. Stauungen des Lymphsystems oder Ödeme bei Herzinsuffizienz.

 

Dosierung:

 

Innerlich einzunehmende Präparate:

Mittlere Tagesdosierung 100 mg Aescin.

Äußerlich anzuwendende Präparate:

Keine Empfehlung möglich, da äußerlich angewandtes Aescin vermutlich keine Wirksamkeit besitzt.

 

Zubereitungen:

 

Es sind Tabletten, Kapseln und Dragees zur Behandlung von Venenleiden aber auch von Hämorrhoiden im Handel, die einen Trockenextrakt meist aus Rosskastaniensamen, der auf Aescin standardisiert ist, oder die reines Aescin enthalten. 

Die Wirksamkeit äußerlich anzuwendender Zubereitungen wie Gele oder Tinkturen ist nicht belegt. Auch Badezusätze können Rosskastanienextrakte enthalten.

 

Hinweise:    

  • Empfindliche Personen können mit Magen- und Darmreizungen reagieren. Die Einnahme sehr hoher Dosen kann zu Erbrechen, Durchfall und anderen Vergiftungserscheinungen führen. Abhilfe kann hier die Verwendung einer magensaftresistenten Formulierung bringen. 
  • Vor Beginn einer Behandlung sollte sichergestellt sein, dass die Schwellungen in den Beinen durch eine Veneninsuffizienz verursacht sind und andere Erkrankungen, wie z.B. eine Stauung des lymphatischen Systems oder eine Herzinsuffizienz nicht vorliegen. 
  • Tritt innerhalb von vier bis sechs Wochen keine Besserung der Beschwerden ein, sollte ein Arzt aufgesucht werden. 
  • Weitere vom Arzt verordnete Maßnahmen (z.B. Stützstrümpfe) sollten weitergeführt werden.
  • Die Verwendung von Teezubereitungen z.B. aus Blättern oder der Verzehr der Samen kann zu Vergiftungen führen! 
  • Nicht ohne ärztlichen Rat während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden!
    Es liegen keine Daten zur Unbedenklichkeit vor.
  • Nicht ohne ärztlichen Rat bei Erkrankungen der Niere oder Leber anwenden!
    Bei einer intravenösen Anwendung wurden Leber- und Nierenschädigungen beobachtet.
  • Wechselwirkungen:
    Nicht ohne ärztlichen Rat anwenden bei gleichzeitiger Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten (z.B. Marcumar, Aspirin)!
  • Durch den Gehalt an Cumarinen aber auch durch Aescin selbst kann es zu einer Verstärkung der blutgerinnungshemmenden Wirkung kommen. 
  • Da Aescin eine hohe Plasmaeiweißbindung aufweist, kann es theoretisch zu Wechselwirkungen mit anderen, stark plasmaeiweißgebundenen Arzneimitteln kommen.