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Beschreibung - Weide

Weide

Die Gattung der Weiden setzt sich aus höchst unterschiedlichen Arten zusammen. Sie umfasst große Bäume (z.B. die Silberweide S. alba) bis hin zu kleinen Sträuchern. Da Größe und Blattform auch durch äußere Einflüsse wie z.B. Standort sehr variieren können, ist eine Einteilung schwierig. Allen gemein ist, dass sie wegen des hohen Wasserbedarfs bevorzugt auf feuchtem Grund wachsen, zweihäusig sind und ihre weiblichen und männlichen Blüten als sog. „Weidenkätzchen“ im Frühjahr vor oder mit dem Austreiben der Blätter erscheinen. Für eine medizinische Verwendung kommen u.a. die Purpurweide (S. purpurea), die Reifweide (S. daphnoides) und die Bruchweide (S. fragilis). Die Silberweide dagegen weist nicht den vom Arzneibuch geforderten Mindestgehalt an Wirkstoffen auf. 

Weidenrinde wurde schon im Altertum als fiebersenkendes und schmerzstillendes Mittel geschätzt. Aus dem Inhaltsstoff wurde vor gut 100 Jahren der allgemein bekannte Wirkstoff Acetylsalicylsäure (Aspirin) entwickelt. 

Medizinisch verwendet wird die im Frühjahr gesammelte Rinde meist junger Zweige. Der Wirkstoffgehalt kann je nach verwendeter Weidenart stark unterschiedlich sein.

Steckbrief Weide

  • Pflanze : Salix species
  • Familie : Weidengewächse (Salicaceae)
  • Herkunft: Die Weide ist in Asien und Europa beheimatet. Eingeführt wird die Droge aus Bulgarien, dem ehemaligen Jugoslawien, Rumänien und Ungarn.
  • Synonyme: Bruch-Weide, Fellhornrinde, Fieberweide, Grau-Weide, Hanf-Weide, Hartrinde, Kamprinde, Knackrinde, Korb-Weide, Lorbeer-Weide, Maiholzrinde, Pupur-Weide, Sal-Weide, Schwarz-Weide, Silber-Weide, Weißfelberrinde
  • Stand: 10.10.2005

 

Anwendung:

  

  • chronische Rückenschmerzen
  • Schmerzen bei degenerativen Gelenkerkrankungen (Arthrose)
  • rheumatische Beschwerden
  • Fieber
  • Kopfschmerzen

 

Die in der Weidenrinde enthaltenen Phenolglykoside (Salicin, Salicortin und Tremulacin) und Flavonoide wirken schmerzstillend, entzündungshemmend, fiebersenkend und aufgrund des hohen Gerbstoffgehaltes adstringierend. Zubereitungen aus der Weidenrinde werden zur Behandlung von leichten, fieberhaften Erkältungskrankheiten bei Erwachsenen (nicht bei Kindern! s. Hinweise), chronischen Schmerzen bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und anderen entzündlichen, schmerzhaften Erkrankungen verwendet. 

Als wirksamer Bestandteil wird das Salicin vermutet, das im Körper wie auch die Acetylsalicylsäure zu Salicylsäure umgewandelt wird und entzündungshemmend und schmerzstillend wirkt. Da die Umwandlung des Salicins langsam verläuft, setzt die Wirkung erst spät ein, hält aber dafür länger an. Daher sind Zubereitungen aus der Weidenrinde nicht zur Behandlung akuter Schmerzen geeignet, wohl aber für chronischer Schmerzen, wie z.B. Rückenschmerzen. 

Neuere Untersuchungen legen nahe, dass die schmerzhemmende Wirkung nicht alleine auf dem Gehalt an Salicin beruht, sondern man vermutet, dass auch andere Inhaltstoffe an der Gesamtwirkung beteiligt sind. Damit gewinnt die Art der Zubereitung an Bedeutung, und verschiedene Fertigarzneimittel sowie die Teezubereitung können sich in ihrer Wirksamkeit unterscheiden, obwohl der Gehalt an Salicin gleich ist.

 

Dosierung:

 

Tee:

Etwa 1 g fein geschnittene oder grob gepulverte getrocknete Weidenrinde wird mit ca. 150 ml Wasser kalt angesetzt, kurz zum Sieden erhitzt und nach 5 Minuten abgeseiht. 3 bis 5 mal täglich eine Tasse Tee trinken.

Extrakt:

Je nach Schmerzstärke 60 mg bis 240 mg pro Tag berechnet als Salicin.

 

Zubereitungen:

 

Weidenrinde ist Bestandteil einiger Fertigarzneimittel und Teemischungen zur Behandlung von Schmerzen, Fieber oder rheumatischer Erkrankungen.

 

Hinweise:

 

  • Nicht anwenden bei Kindern unter 12 Jahren!
    Zur Behandlung fieberhafter Erkältungskrankheiten sollte Weidenrinde auch nicht bei Jugendlichen verwendet werden, da es wie bei anderen Salicylaten zur Ausbildung des Reye-Syndroms, einer seltenen aber möglicherweise lebensbedrohlichen Erkrankung, kommen kann.
  • Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden! 
  • Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Salicylaten oder anderen entzündungshemmenden Schmerzmitteln sowie bei Asthma oder Neigung zu Allergien!
  • Nicht zusammen mit anderen antirheumatisch wirkenden Schmerzmitteln einnehmen! 
    Die Kombination mit Schmerzmitteln wie z.B. Aspirin oder Ibuprofen erhöht die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen und Risiken.
  • Nicht ohne ärztlichen Rat anwenden bei Neigung zu Magen- oder Darmgeschwüren!
    Weidenrindenpräparate scheinen besser magenverträglich zu sein als andere Schmerzmittel. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass durch die Therapie Geschwüre begünstigt werden.
  • Nicht ohne ärztlichen Rat anwenden bei Störungen der Nieren- oder Leberfunktion! 
  • Nicht anwenden bei Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, einer zumindest in Deutschland selten auftretenden Erbkrankheit! 
  • Bei anhaltenden oder immer wiederkehrenden Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden! 
    Im allgemeinen ist die Behandlung mit Weidenrinde auch über längere Zeit gut verträglich. Empfindliche Personen können jedoch mit Beschwerden im Magen-Darm-Bereich reagieren und selten sind allergische Reaktionen möglich. In diesen Fällen sollte die Behandlung sofort abgesetzt und ein Arzt aufgesucht werden.
  • Wechselwirkungen:
    Wie bei den Salicylaten sind unerwünschte Wechselwirkungen mit Medikamenten zur Behandlung des Bluthochdrucks, der Zuckerkrankheit, sog. blutverdünnenden Mitteln und anderer chronischer Erkrankungen nicht auszuschließen. Sollten Sie zusätzlich Medikamente einnehmen, empfiehlt sich daher die Rücksprache mit ihrem Arzt oder Apotheker. Aufgrund des Gerbstoffgehaltes können Zubereitungen aus Weidenrinde die Wirkung anderer Medikamente beeinträchtigen. Auch hier empfiehlt sich eine Rücksprache mit ihrem Arzt oder Apotheker.