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Beschreibung - Weißdorn, Zweigriffliger

Weißdorn, Zweigriffliger

Weißdorn ist ein strauchartiger Baum und kann bis zu 12 m hoch werden und besitzt dornige, meist stark verzweigte Zweige. Die weißen Blüten stehen in aufrechten, reichblütigen Doldenrispen und verströmen einen intensiven, nicht allzu angenehmen Geruch. Die fleischigen Scheinfrüchte sind meist rot gefärbt. 

Das Holz wurde wegen seiner Härte zu Spielzeug, Spazierstöcken u.ä. verarbeitet. 

Vom Weißdorn gibt es mehrere, einander ähnliche Arten, die leicht bastardisieren, so dass eine eindeutige Zuordnung zu einer Art nicht immer möglich ist. So sind der Eingriffelige (C. monogyna), Zweigriffelige (C. oxyacantha) und der Fünfgriffelige Weißdorn (C. pentagyna) sowie der Dunkle Weißdorn (C. nigra) und der Azaroldorn (C. azarolus) zugelassen. 

Medizinisch verwendet werden die getrockneten, blühenden Zweigspitzen (Weißdornblätter mit Blüten). Die Früchte dienen z.T. als Ausgangsdroge zur Herstellung einiger im Handel erhältlichen Fertigarzneimittel.

Steckbrief Weißdorn, Zweigriffliger

  • Pflanze : Crataegus laevigata (Poir.) Dc. u.a
  • Familie : Rosengewächse (Rosaceae)
  • Herkunft: Die Heimat des Weißdorns ist Europa, das östliche Mittelmeergebiet, die Balkanhalbinsel Jugoslawien und Ungarn. Der Drogenimport erfolgt über ost- und südosteuropäische Länder.
  • Synonyme: Hagdorn, Hagedorn, Mehlbeerbaum, Mehldorn, Rotdorn, Sumpf gelappter Weißdorn, Weißheckdorn, Zweigriffeliger Weißdorn, Zweikern-Weißdorn
  • Stand: 25.05.2003

 

Anwendung:

 

Weißdornblätter mit Blüten enthalten oligomere Procyanidine und Flavonoide, die als das wirksame Prinzip angesehen werden. Wässrig-alkoholische Extrakte, die meist auf einen Anteil an Procyanidinen oder Flavonoiden standardisiert sind, bewirken eine leichte Steigerung der Herzleistung durch Erhöhung der Schlagkraft und Erniedrigung des peripheren Widerstandes, wobei die Schlagfrequenz nur unwesentlich beeinflusst wird. Ferner wird die Durchblutung des Herzmuskels und der Herzkranzgefäße gefördert und die Toleranz gegenüber Sauerstoffmangel erhöht. Weiterhin besitzen solche Extrakte antioxidative, entzündungshemmende und antiarrhythmische Eigenschaften. Zubereitungen aus Weißdornblättern mit Blüten werden daher zur Behandlung leichter Formen einer Herzinsuffizienz (Stadien I und II NYHA) oder bei einem altersbedingten Nachlassen der Herzleistung (Altersherz) eingesetzt. Unter "Altersherz" versteht man einen Symptomenkomplex, der sich z.B. in einem Beklemmungsgefühl und rascher Ermüdbarkeit bei körperlicher Belastung äußern kann. Eine Wirkung ist allerdings erst nach mehrwöchiger Behandlung zu erwarten, so dass diese Präparate nicht zur Behandlung plötzlich auftretender Beschwerden geeignet sind.

Obwohl eine positive Wirkung auf die Leistungsfähigkeit des Herzens nachgewiesen ist, muss vor einer unkritischen Anwendung in der Selbstmedikation gewarnt werden!

Bei der Herzinsuffizienz z.B. handelt es sich um eine ernste, möglicherweise lebensbedrohliche Erkrankung, die unbedingt einer ärztlichen Behandlung bedarf und für die wesentlich wirkungsvollere Medikamente zur Verfügung stehen. Auch zur Vorbeugung eingenommen ist der Weißdorn nutzlos, er kann das Entstehen einer Herzinsuffizienz nicht hinauszögern (s. Hinweise). Crataeguspräparate sollen auch bei funktionellen Herzbeschwerden, wie z.B. Blutdruckschwankungen, subjektive Missempfindungen des Herzschlags oder Extrasystolen helfen. Eine Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt. Weißdornfrüchte enthalten ebenfalls Procyanidine und Flavonoide, allerdings in weitaus geringerer Menge. Sie finden vor allem in der Homöopathie Verwendung.

 

Dosierung:

 

Tee:

Ein knapper Teelöffel (ca. 1,5 g) Weißdornblätter mit -blüten werden mit 150ml kochendem Wasser übergossen und nach 10 bis 15 Min. abgeseiht. Tagesdosis: 5 g Droge. 

Anwendung 3 - 4 mal pro Tag über mehrere Wochen.

Fertigpräparate:

Standardisierte Trockenextrakte mit dem Auszugsmittel Ethanol 45% oder Methanol 70% im Verhältnis 4-7:1 oder Fluidextrakte: Tagesdosis 160 bis 900 mg Trockenextrakt. Als Mindesttagesdosis werden 5mg Flavonoide, berechnet als Hyperosid oder 10 mg Gesamtflavonoide oder 5 mg oligomere Procyanidine, berechnet als Epicatechin angesehen. 

Zubereitungen aus den Früchten werden in der Homöopathie verwendet.

 

Zubereitungen:

 

Teezubereitung:

Verwendet werden Weißdornblätter mit -blüten. Nur Ware entsprechend der Arzneibuchqualität garantiert einen hohen Wirkstoffgehalt.

Fertigarzneimittel:

Eine Vielzahl an Präparaten auch in Kombination mit anderen Bestandteilen sind im Handel.

 

Hinweise:

 

  • Nicht ohne ärztlichen Rat anwenden!
  • Weißdornzubereitungen sollten nicht angewandt werden bevor nicht die genauen Ursachen der Beschwerden durch einen Arzt abgeklärt wurden.
  • Herzbeschwerden sind immer ernst zu nehmen und nicht für die Selbstbehandlung geeignet!

    Diese Heilpflanze ist auch nicht zur Vorbeugung einer nachlassenden Herzleistung geeignet, noch zur Behandlung plötzlich auftretender Beschwerden.
  • Nicht an Kindern unter 12 Jahren anwenden! 
  • Nicht ohne ärztlichen Rat während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden!